Corporate Architecture: Wie aus Materialresten Designmöbel wird
Wie lassen sich Materialien möglichst lange nutzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Audi nicht nur im Rahmen der Fahrzeugentwicklung, sondern auch in anderen Bereichen des Unternehmens. Im Audi Vertrieb zeigt ein Möbelprojekt, wie sich bestehende Produkte im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln lassen.
Worauf schauen Sie zuerst, wenn Sie den Showroom eines Audi Vertriebspartners betreten? Die ausgestellten Modelle? Eine markante Exterieurfarbe? Sicher ziehen die Fahrzeuge viele Blicke auf sich. Gleichzeitig prägen Raumkonzepte, Möbel und Materialien im Showroom das Markenerlebnis. Sie spiegeln den Anspruch von Audi an Design, Qualität und Haltbarkeit wider. Und befassen sich genau deshalb auch mit der Frage, wie Materialien länger genutzt und Reststoffe erneut eingesetzt werden können.
Ein Beispiel ist eine neue Variante des Cuoio Chair. Audi Vertriebspartner können sie weltweit für ihre Showrooms auswählen. Neben Klarheit im Design und Komfort steht auch ein bewusster Materialeinsatz im Fokus: Die Sitzschale wird aus einem Material mit Recyclinganteilen aus Lederresten der Konsumgüterindustrie hergestellt.
„Nachhaltigkeit wird glaubwürdig, wenn sie im Alltag sichtbar und erlebbar ist“, sagt Boris Hessler, Leiter Global Corporate Architecture im Bereich Retail Development. „Mit Projekten wie diesem prüfen wir, wie sich Materialien wiederverwenden lassen, ohne bei unseren Anforderungen an Gestaltung, Qualität, Komfort und Alltagstauglichkeit Abstriche zu machen.“
Was ist das Besondere am Cuoio Chair?
Der Cuoio Chair wurde vom Wiener Designstudio EOOS entworfen und wird vom Möbelhersteller Walter Knoll gefertigt. Seine Konstruktion ist auf wenige Materialien und Bauteile reduziert. Das klassische Modell kombiniert Sitz- und Rückenflächen aus durchgängigem Ledermaterial mit einem Stahlgestell. Schlitze in der Rückenlehne und eine Verschnürung unter dem Sitz unterstützen den Sitzkomfort.
Für die neue Variante wird die Sitzschale aus einem Material gefertigt, das zu hohem Anteil aus recycelten Lederresten der Konsumgüterindustrie hergestellt wird. Die anfallenden Verschnitte werden in einem speziellen Verfahren aufbereitet und zu einem neuen, robusten und zugleich hochwertigen Werkstoff verarbeitet.
„Bei der Möbelproduktion fallen Lederverschnitte zumeist in unterschiedlichen Farben und Qualitäten an“, erklärt Boris Hessler. „Die Projektidee war, diese Lederreste für eine neue Sitzschale zu nutzen.“
Für die Sitzschale des Cuoio Chair wird ein von NABORE® entwickeltes Material der Marke RELEA® eingesetzt. RELEA® ist je nach Materialvariante mit einem Recyclingmaterialanteil von bis zu 80 Prozent erhältlich. Die im Cuoio Chair eingesetzte Variante enthält über 60 Prozent Recyclingmaterial. Für die Entwicklung kreislauffähiger Materialien aus Lederresten wurde NABORE® mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in der Kategorie Rohstoffindustrie ausgezeichnet.
Für den Cuoio Lounge Chair ist zudem ein Sitzkissen erhältlich. Der Stoffbezug des Sitzkissens enthält einen Anteil von 45 Prozent recycelter Wolle.





Qualität entscheidet über den Einsatz im Showroom
Für das Projekt galt ein klarer Grundsatz: Die Wahl eines Materials mit Recyclinganteilen darf nicht zulasten von Qualität, Komfort oder Haltbarkeit gehen.
„Bewusster Materialeinsatz muss nicht nach Verzicht aussehen. Ein Produkt kann hochwertig gestaltet, langlebig und alltagstauglich zugleich sein. Genau diesen Anspruch verfolgt der Cuoio Chair.“
Boris Hessler, Leiter Global Corporate Architecture AUDI AG
Vom Lederverschnitt zur neuen Sitzschale
Die Entwicklung des Cuoio Chair führt bei Audi zwei Projekte zusammen, die zunächst unabhängig voneinander vorangetrieben wurden: Das Audi Design entwickelte gemeinsam mit NABORE® einen neuen Werkstoff unter Verwendung von recycelten Lederresten, die bei Audi in der Entwicklung von Lederbezügen anfallen. Parallel dazu beschäftigte sich das Team von Audi Corporate Architecture mit der Frage, wie Materialien mit Recyclinganteilen in Möbeln für die weltweiten Verkaufsräume eingesetzt werden können.
Ein Beispiel war ein Raumteiler aus einem Material, das unter anderem aus gebrauchten Fischernetzen und anderem marinem Kunststoffabfall hergestellt wurde. Aufbauend auf diesen Erfahrungen prüfte das Team weitere Möglichkeiten innerhalb des Möbelportfolios. Auch Projekte zur Weiterverwendung von Reststoffen aus der Audi Produktion lieferten wichtige Impulse.
Im Austausch mit Walter Knoll und EOOS entstand schließlich die Idee, den gemeinsam mit NABORE® entwickelten Werkstoff für eine neue Variante des Cuoio Chair einzusetzen. So kamen die Materialentwicklung vom Audi Design und die Arbeit von Audi Corporate Architecture an neuen Möbelkonzepten zusammen. Das Ergebnis ist ein alltagstaugliches Möbelstück, das qualitative und funktionale Anforderungen erfüllt und zugleich zeigt, wie recycelte Lederverschnitte für eine neue Anwendung genutzt werden können.
Audi Vertriebspartner können den Cuoio Chair weltweit aus dem bestehenden Möbelportfolio auswählen.
„Mein Wunsch für das Projekt ist, dass das Möbel im Showroom selbstverständlich funktioniert“, sagt Boris Hessler. „Zuerst sollen Qualität und Gestaltung überzeugen. Auf den zweiten Blick darf der Cuoio Chair auch durch seine außergewöhnliche Haptik und Materialität auffallen und erzählen, wie sich Materialreste erneut sinnvoll nutzen lassen.“