Windstrom aus Mallorca-Windmühlen und Audi-Elektroautos

Audi Entwickler Francisco Trigueros Morera de la Vall vor einer Windmühle
Audi Entwickler Francisco Trigueros Morera de la Vall vor einer Windmühle

Audi Mitarbeiter Francisco Trigueros Morera de la Vall hatte die Idee: aus mallorquinischen Windmühlen und ausrangierten E-Motoren Strom aus Windenergie zu gewinnen. Daraus entstand das „Projekt Microgrid“. Für diesen innovativen Ansatz erhielten Trigueros und ein bereichsübergreifendes Team im Mai 2025 den „Green Product Award“ in der Kategorie „Arbeitswelt“.

Was haben traditionelle Windmühlen auf der beliebten Ferieninsel Mallorca mit elektrischen Audi e-tron-Modellen zu tun? Scheinbar nichts. Oder doch ganz viel, wenn es nach Francisco Trigueros Morera de la Vall geht, Leiter des Innovationsprojekts „Microgrid“. Bei einem Urlaub auf Mallorca dachte er sich angesichts der verlassenen Windmühlen: „Warum kann man sie nicht zur lokalen Erzeugung von Windstrom nutzen und denn dann – vorbehaltlich Netzanschluss, Erzeugungsmenge und regulatorischer Vorgaben – auch für Ladeanwendungen von Elektroautos bereitstellen?“ 

Drei Jahre nach dieser ersten Idee weihen Trigueros und seine Mitstreitenden im April 2022 die erste „Microgrid“- Windmühle mit dem schönen Namen „Son España“ in dem Dorf Son Ferrol ein. Sie stammt aus dem Jahr 1925 und war die erste, die mit Metallflügeln ausgestattet wurde.

Die größte Balearen-Insel ist bekannt für ihre tausenden Windmühlen, deren Ursprung im 14. Jahrhundert liegen. Dienten sie zunächst als Getreidemühlen und Anfang des 20. Jahrhunderts als Antrieb für Grundwasserpumpen, sind sie zu großen Teilen heute nicht mehr in Betrieb.

Und genau hier setzt der Spanier an. „Wir nutzen sowohl die Windmühlen zur Stromerzeugung weiter als auch die gebrauchten Elektromotoren aus der Audi e-tron-Familie“, erklärt Trigueros seine Idee zur Wiederverwendung eines E‑Motors in einer Windenergieanwendung, die er beim Audi Innovationsmanagement vorgestellt hat.

Ein Audi e-tron steht vor einer mallorquinische Windmühle mit dem Vier Ringe Logo auf dem Flügel

Kooperation mit spanischer Hotelkette

Wie aber lässt sich die Erzeugung mallorquinischer Windenergie mit gebrauchten Audi Elektromotoren vermarkten? „Das zu beantworten war durchaus eine Herausforderung“, blickt Trigueros zurück. Die Lösung: Die spanische Hotelkette Meliá ist Kooperationspartner der Marke und vermietet mehrere Audi e-tron-Modelle für Fahrten an interessierte Urlaubsgäste. Im ersten Quartal 2026 waren es elf Fahrzeuge in Spanien, zwei davon auf Mallorca.

Lokal CO2-emissionsfreie Elektroautos seien das ideale Fortbewegungsmittel auf Mallorca, denn im Fahrbetrieb vor Ort entstehen am Fahrzeug keine Auspuffemissionen, so Trigueros. Zugleich, davon ist er überzeugt, sei ein entspannter Urlaub der perfekte Zeitpunkt, um Elektromobilität zu erfahren. „Wenn nur fünf Prozent aller Hotelkunden einen Audi e-tron kaufen sollten, würde sich das Projekt für Audi rentieren“, rechnet der Projektmanager mit Stolz vor.

Rekuperation als Schlüssel

Gemeinsam mit Kollegen entstand der erste Prototyp zur Gewinnung erneuerbarer Energie. In einem 220 Kilo schweren, drei Meter langen, 1,60 Meter breiten sowie einen Meter hohen Kasten an der Rückseite des Windrads ist der wiederverwendete E-Motor aus einem Audi e-tron-Versuchsfahrzeug untergebracht. Über ein Zahnradgetriebe ist er mit dem sich drehenden Windrad verbunden.

„Das lässt sich mit dem Fahrbetrieb vergleichen“, erklärt Trigueros. „So wie man über die mallorquinischen Hügel fährt und bergab Energie zurückgewinnt, ist auch hier der Motor dauerhaft im Rekuperations-Modus.“ Abhängig von der Größe des Windrads ist im Prototypenbetrieb – abhängig von Standort, Windprofil, Verfügbarkeit und Wirkungsgrad – eine Jahreserzeugung an Strom von bis zu 22 MWh möglich. Die Zahl entspricht rechnerisch bis zu ca. 220 Ladevorgängen à 95 kWh ohne Berücksichtigung individueller Ladeverluste.

Green Product Award für das Projekt

Die E-Maschinen für die Windmühlen stammen seit 2022 aus der Audi Aggregateaufbereitung. In einer Kooperation unterstützt der Produktionsbereich Trigueros und seine Kollegen. Zugleich lässt sich die Aufbereitung der E-Maschinen hervorragend in die ergonomische Arbeitsplatzstruktur für leistungsgewandelte Mitarbeitende integrieren.

Für diesen innovativen Ansatz erhielt das bereichsübergreifende Team im Mai 2025 den „Green Product Award“ der White Lobster GmbH & Co. KG in der Kategorie „Arbeitswelt“ unter den „etablierten Unternehmen“. Die Green Future Club gUG ist als rechtlich eigenständige, unabhängige Bewertungs- und Zertifizierungsstelle tätig.

Audi-Windmühle auf Mallorca - Audi-Windmühle auf Mallorca
Audi-Windmühle auf Mallorca

Audi setzt auf Second Life

Die Second-Life-Philosophie von Audi lautet: Bauteile sollten erst dann dem Recycling zugeführt werden, wenn sie nicht mehr verwendbar sind. Dieses Prinzip kommt bei den Windrädern zum Einsatz: Die genutzten Batterien funktionieren, genügen aber vielleicht den Ansprüchen für ihren ursprünglichen Einsatzzweck nicht mehr. Sie alternativ etwa als Energiespeicher zu nutzen, ist besser, als sie vorzeitig zu recyceln. Erst wenn die Batterien solche Second-Use-Anwendungen nicht mehr erfüllen können, werden sie nach modernen Recyclingkonzepten in ihre einzelnen Rohstoffe zerlegt, um anschließend in neuen Batterien zum Einsatz zu kommen.

Lokale Partner für ein lokales Projekt


Nachhaltigkeit ist dementsprechend auch bei der Umrüstung des Windrads entscheidend. Der Umbau des Windrads erfolgt auf der Insel in einer eigens dafür angemieteten Werkstatt über einen externen lokalen Dienstleister. „Uns ist es wichtig, Partner in das Projekt einzubeziehen, die vor Ort arbeiten und nicht extra dafür auf die Insel fliegen müssen“, sagt Trigueros.

Windmühlenverband auf Mallorca ehrt „Projekt M“


„Son España“ sei in das Energienetz Mallorcas eingebunden, erklärt Trigueros, „allerdings haben wir auch schon weiter überlegt, was mit dem Strom noch passieren kann.“

So könnte die erneuerbare Energie zur Elektrolyse für Wasserstoff genutzt werden oder für definierte Anwendungen wie stationäre Ladepunkte – vorbehaltlich technischer und regulatorischer Voraussetzungen. Auch Schwankungen im Stromnetz ließen sich mit dem Grünstrom ausgleichen. Die Verwendung der Windenergie hängt aber auch davon ab, wie es mit dem Projekt zur Wiederverwendung eines E‑Motors in einer Windenergieanwendung weitergeht: „Eine Skalierung ist derzeit nicht geplant, das Prinzip wäre aber durchaus auch auf anderen Inseln anwendbar“, ist sich Trigueros sicher.